Nordhessische … Monitoring im Fridericianum

Monitoring im Fridericianum

Abstract

Beim 32. Kasseler Dokfest wurde am Kulturbahnhof sowie im Fridericianum die audio-visuelle Ausstellung Monitoring gezeigt. Leider war am Sonntag Nachmittag der Südflügel im Bahnhof bereits geschlossen, so dass nur der Teil im Fridericianum angesehen werden konnte. Aber auch das war es wert.

Draußen Regen, drinnen Strand

Beim Betreten des Museums Fridericianum fallen zuerst zwei Dinge auf:

  1. Es ist ausgesprochen ruhig, nur sehr wenige Besucher haben sich an diesem verregneten Sonntag Nachmittag hier her verirrt. Dabei ist die Ausstellung offen für alle.
  2. An der Wand direkt gegenüber des Eingangs sieht man einen Strand, auf dem eine Schallplatte entlang des Flutsaums unermüdlich rollt und den Besucher mitnimmt von Urlaub zu träumen.

Das Werk heißt Film for imaginary music, wobei die Schallplatte die „imaginäre Musik“ darstellt. Der Betrachter soll den Film sehen und dabei seinen Urlaubssoundtrack im Kopf haben. Dazu passend rollt die Platte in wellenartigen, Schlangenlinien den Strand entlang.

Audio-visuelles Zelt

Dass trotzdem tatsächlich Musik zu hören ist, liegt nicht an der guten Einbildung, sondern dem Werk Experimental Archeology zwei Räume weiter. Dort ist eine Art Zelt aufstellt, von innen gemütlich mit Sitzkissen eingerichtet, die Wände milchig als Projektionsflächen und eine Reihe Lautsprecher im Inneren.

Das Werk »Experimental Archeology« in der Ausstellung »Monitoring«
Dieser Anblick bietet sich dem Besucher der Ausstellung Monitoring, wenn er der Musik nachgeht: Das Zelt Experimental Archeology, auf dessen Wänden mehrere Filmausschnitte gleichzeitig gezeigt werden und aus dem der Sound stammt.

Laut Beschreibung werden mehrere Lautsprecher und fünf Videoprojektoren eingesetzt, um so ein volles 360 °-Erlebnis zu schaffen. Man muss sich also schon in das Zelt begeben und immer wieder um die eigene Achse drehen, um die Handlung zu erfassen. Denn man steht praktisch mitten in der Show bzw. Geschichte.

Auf dem Marktplatz

Ein ähnliches Erlebnis bietet sich dem Betrachter bereits einen Raum vorher: An den Wänden rechts und links sieht man das mittägliche (Nicht-) Treiben eines Marktplatzes in der vermutlich äquatornahen Mittagssonne.

(Leider unscharfes) Foto der Installation »Place that I wait« in der Ausstellung »Monitoring«
Auf diesem (leider unscharfen) Foto der Installation Place that I wait sind rechts und links die beiden Hälften des Marktplatzes zu erkennen, auf den sich der Besucher stellen und beobachten kann.

Intuitiv stellt sich der Besucher in die Mitte des Platzes und beobachtet, was rechts und links auf dem Markt passiert. Doch während gedanklich schon „die Strohballen vorüber wehen“ und man beobachtet und wartet, wird der Name der Installation klar: „Ein Platz, auf dem ich warte.“ Mit mehr Zeit im Gepäck hätte man stundenlang dort sitzen können, wie die alten Männer, die dort Karten spielen, Tee trinken oder einfach nur schauen.

Globalisierte „Steuer- und Haftungsoptimierung“

Die letzte Installation im Fridericianum, die Aufmerksamkeit erregt hat, ist das fast raumfüllende Werk Loophole for all. An der dem Eingang gegenüberliegenden Wand ist eine riesige Tafel angebracht, an der aufgezeigt ist, wie Konzerne international aufgebaut sind, um Steuern zu sparen und Haftungsfragen „weg zu optimieren“.

Schautafel der Installation »Loophole for all« in der Ausstellung »Monitoring«
Diese Schautafel zeigt auf, wie verschiedene Teile eines internationalen Konzers miteinander interagieren müssen, um die Steuerlast und die Haftung „weg zu optimieren“. Foto: Paolo Cirio/Dokfest Kassel, mit freundlicher Genehmigung des Dokfests.

An der Wand daneben waren sowohl weiterführende Informationen zu den „Optimierungstricks“ globaler Unternehmen als auch Informationen über Briefkastenfirmen zum Steuernsparen in einschlägigen „Steueroasen“. Diese Informationen basieren zum Teil auf geleakten Daten, die Hacker erbeuten konnten und veröffentlicht haben. Dazu bewirbt der Künstler seine Plattform Loophole4All.com, auf der jeder Bürger durch Gründen von Briefkastenfirmen seine persönliche Steuerlast „optimieren“ können soll. Begründet wird dies als „Demokratisierung des Steuernsparens“ um auf diese Tricks globaler Konzerne aufmerksam zu machen.