HNA Watchblog: Deutsche Propagandalüge reloaded?

11.05.10


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HNA vom 10. Mai 2010
Kassel (ms) - Eine ganze Seite widmete die HNA am 10. Mai im Politikteil den "Massenvergewaltigungen 1944/45". Im großen Interview kommt ausführlich Autor Ingo von Münch zu Wort. Er behauptet unter anderem, die Massenvergewaltigungen seien das Werk einer "insbesondere von Ilja Ehrenburg (...) zur Rache aufgehetzten Soldateska" gewesen.

Wikipedia berichtet dazu, untermauert mit Quellenbelegen: "Ehrenburg wird bis heute – ohne jeglichen Beleg – unterstellt, einen Aufruf zur Vergewaltigung deutscher Frauen verfasst zu haben." Die deutsche Propaganda habe sich früh auf den russisch-sowjetischen Journalisten eingeschossen. Hitler habe ihn zum „Hausjuden Stalins“ erklärt. Die Behauptung, Ehrenburg habe zur Vergewaltigung deutscher Frauen aufgerufen, ist laut Wikipedia-Artikel nicht seriös: "Die Forschung ist sich seit langem einig, dass es sich um ein Gerücht der deutschen Propaganda handelt." Das belege ein Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte.

Ares-Verlag ist umstritten

Was die HNA-Leser ebenfalls nicht erfahren haben: Ingo von Münch hat sein Buch "Komm, Frau! Die Massenvergewaltigungen deutscher Frauen und Mädchen 1944/45" im Ares-Verlag veröffentlich. Dem werfen Kritiker, wie man ebenfalls bei Wikipedia erfahren kann, Schnittstellen zum Rechtsradikalismus vor.

LINK: Wikipedia-Artikel über Ilja Ehrenburg



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Martin Reuter schrieb:
11.05.2010, 16:54
Mitmachen um jeden Preis
Warum müsst Ihr eigentlich bei dieser grauenhaften Vergewaltigungs-Hysterie
mitmachen? Gibt es in diesem Staat noch Unschuldige, Pubertierende, Priester und
Hausfrauen oder solche, die es werden wollen?
Auf diesen Beitrag antworten
Jonas schrieb:
11.05.2010, 18:53
Re: Mitmachen um jeden Preis
... und was will uns der Autor damit sagen? Das man diesen Aufguß Goebbelscher
Propaganda unkommentiert stehen läßt?
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Martin (Redaktion Nordhessische.de) schrieb:
11.05.2010, 21:28
Re: Mitmachen um jeden Preis
Vielleicht hat Kollege Reuter ja die HNA gemeint, nicht Nordhessische.de?
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Martin Reuter schrieb:
12.05.2010, 8:53
Re: Mitmachen um jeden Preis
Lieber Jonas, Du bist doch alt und aufgeklärt genug, um etwas mehr Gelassenheit
in Deine Reaktionen einzubauen. "Goebbels-Aufguss" ist eine
Aufregungs-Vokabel, die der HNA, also dem offiziellen Journalismus, wirklich
würdig wäre. "Der Autor" meinte, dass eine online-Zeitung, die etwas anders
machen möchte, m.E. nicht dasselbe (nur andersrum, also z.B. andersrum als
Goebbels!) machen sollte. - Es gibt viele Dinge, an denen man vorübergehen
sollte - nach dem schönen alten orientalischen Motto: Der Hund bellt, und die
Karawane zieht vorüber. Die jeweilige (und jeweils vorauszusehende)
Aufregungs-Steigerung ist m.E. der "Sache" undienlich.
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Martin Reuter schrieb:
12.05.2010, 9:20
Re: Mitmachen um jeden Preis
Ich muss nach einigem Überlegen nochmal auf mich selbst antworten und insofern
mein Begehren verschärfen. Worum es "sachlich" geht, sind die Vergewaltigungen
von konkreten Frauen durch Siegermächte in Gestalt anonymer Einzelpersonen.
(RACHE! Im Krieg ist das immer so, s. Jugoslawien) Worum es im öffentlichen
Geschwätz geht ist die Frage, wieviel Geld oder Aufmerksamkeit man damit
verdienen kann. Das ist eine krass verschiedene Haltung von der, die sich der
Sache zuwendet. Das sind die Traumata der Vergewaltigten. Wenn sie Glück haben,
haben sie Hilfe zur Erleichterung oder Ablösung gefunden; sonst werden sie das
stumm ins Grab mitnehmen müssen. Oder sie werden dem Geschwätz von Historikern
in Nadelstreifen anheimfallen wie Guido Knopp mit seinen hundert Folgen über den
Nationalsozialismus. - Der "ausgewogene Jounralismus" mit seinen
Unterstellungen und Hin- und Herwägungen wird dazu niemals etwas beitragen
können. Deshalb wünsche ich mir einen anderen.
Auf diesen Beitrag antworten
Hans Faber schrieb:
12.05.2010, 7:04
Ohne
Schön, dass hier so eifrig die Ehrenrettung Ehrenburgs betrieben wird, aber der
eigentliche Sachverhalt aus dem Fokus gerückt wird. Mit Absicht?! Dem
Ares-Verlag wird hier das Mäntelchen des Rechtsextremismus umgehangen, mit
anderen Worten, hier wird versucht den Gegner mit der Nazikeule zu erschlagen.
Ansonsten, Herr von Münch hat in dem HNA-Interview auch Stellung dazu genommen:
20 deutsche Verlage hatten das Manuskript abgelehnt, das Ding war offenbar zu
unbequem, passte nicht in den Zeitgeist, der deutsche Opfer nicht gelten läßt,
eine differenzierte Geschichtsbetrachtung für unerwünscht erklärt. Aber
immerhin, die EMMA hat kürzlich vier Seiten aus dem Buch abgedruckt. Die störten
sich nicht an dem Verlag. Und wenn ich mich bisher gescheut hatte das Buch zu
kaufen, nach diesem Artikel der Nordhessischen werde ich das umgehend nachholen.
Auf diesen Beitrag antworten
hans-peter schrieb:
14.05.2010, 11:45
Re: Ohne
Was Sie hier für einen Murks ablassen, Herr "Hans Faber"! Ehrenburg hat
Ehrenrettung nicht nötig und der Ares-Verlag ist nachweislich nah zum
Rechtsradikalismus. Und so, wie Sie hier "argumentieren", stellen sie sich
selbst in ein "rechtes Licht". Gute Besserung!
Auf diesen Beitrag antworten
Michael Vorwerk schrieb:
19.05.2010, 22:09
Aus der Kloake
Die Behauptung, Ilja Ehrenburg habe sowjetische Soldaten ausdrücklich zu
Vergewaltigungen deutscher Frauen ermutigt, taucht seit etwa 1944 immer wieder
in deutschen Publikationen ganz unterschiedlicher Seriosität auf. Regelmäßig
kommt dabei eine Formulierung zum Einsatz, die sich als Zitat ausgibt und
wörtlich lautet: “...brecht mit Gewalt den Rassenhochmut der germanischen
Frauen.“ Teils wird behauptet, ein solcher Aufruf Ehrenburgs an die Rote Armee
sei in Form eines Flugblattes erschienen, teils auch, er stamme aus einem
Artikel der “Prawda“ vom 24.07.1942. Im Jahre 1962 veröffentlichte der Verlag
Kindler in München die dreibändige Ausgabe der Memoiren von Ehrenburg
(“Menschen, Jahre, Leben“); das war Anlaß für eine Unzahl eifernder Proteste,
die regelmäßig die o.a. Äußerung wiedergaben. Im Auftrage des Verlagshauses
Kindler wandte sich der Münchner Rechtsanwalt Dr. Otto Gritschneder im selben
Jahr an die Osteuropasammlung der Bayrischen Staatsbibliothek mit der Frage, ob
die “Prawda“ einen Artikel Ehrenburgs enthalte, in dem sich jener angebliche
Aufruf finde. Die Bayrische Staatsbibliothek teilte wenig später mit, man habe
zwar die Artikel von Ehrenburg in der “Prawda“ ermittelt, keiner von ihnen
enthalte aber einen derartigen Aufruf. Nimmt man die Vita und das Werk des
Schriftstellers, des Journalisten und großen Zeitzeugen Ilja Ehrenburg zur
Kenntnis, des Mannes, der Umgang etwa mit Pablo Picasso, Amedeo Modigliani,
Diego Rivera, Miguel de Unamuno, Isaak Babel, Ernest Hemingway, George Grosz und
Bertolt Brecht pflegte (und dem all das hochgefährliche Nachstellungen übrigens
auch der stalinistischen Propaganda brachte), dann darf man mindestens vermuten,
daß Ilja Ehrenburg als Urheber eines derart barbarischen Aufrufes kaum in
Betracht kommen dürfte. Ich frage mich, wie unentwickelt historische Kenntnis
und das Gespür für Sprache eigentlich sein müssen, um in jener abstoßenden
Fälschung etwas anderes zu erkennen als das, was sie tatsächlich ist: eine
Ausgeburt der Sprachkloake des Dr. Josef Goebbels.
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Datum des Ausdrucks: 08.09.2010